Chronik

der Freiwilligen Feuerwehr Roßhaupten zur 125-Jahr-Feier im Sommer 1997

 

Am 07. Januar 1872 stellte der Bäckermeister Michael Endres, der Bauer und 2. Bürgermeister Xaver Hartmann und der Schmiedemeister Rupert Humm an den damaligen Bürgermeister Haslach, den Antrag, einen Aufruf zur Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr vorzunehmen.

Dieser begrüßte das Vorhaben. Bereits innerhalb von 14 Tagen hatten sich 40 Männer durch ihre Unterschrift bereit erklärt, bei diesem Vorhaben zur Hilfeleistung für ihre Mitbürger mitzuwirken. Nach einer Meldung an den Bezirksamtmann erfolgte die Gründung unter Mithilfe und Beratung des Kommandanten der Füssener Wehr am 26 April 1872.

Der erste Vorstand war Michael Endres. Der erste Kommandant war Theodor Angerhofer. Da keinerlei Geräte (man nannte das damals "Requisiten") vorhanden waren, erwarb die Gemeinde sogleich eine neue "Aprotz"-Spritze mit zwei Schlauchgängen zum Preis von 2.400 Gulden.

Weiter wurden beschafft:

1 Gerätewagen
10 verschiedene Leitern 1 Schlauchhaspel 1 Gesimsbock
1 Rettungssack
3 Petroleumfackeln 5 Laternen
1 Feuerfahne.

Jeder Feuerwehrmann hatte eine Aufnahmegebühr und ein Monatsgeld zu bezahlen. Davon wurden die weiteren Ausrüstungsgegenstände beschafft.

Im Jahre 1874 wurde an die Gemeinde der Antrag gestellt, diese möge die weitere notwendige Ausrüstung finanzieren. Die erste Rate betrug 58 Gulden, davon wurden Helme, Gurte und Signalhörner angeschafft. Laut Bericht des Chronisten war der Eifer und die Teilnahme an den Übungen sehr groß. Bis zum Jahre 1878 kam nichts Ernstes vor. Die Mitgliederzahl war bereits auf 98 gestiegen. Am 5. Juli 1878 kam dann der erste Alarm aus Seeg, aber bis man dort ankam, war der Brand gelöscht, also wieder keine Feuertaufe. Am 04. September 1879 erfolgte dann die erste Brandbekämpfung beim Brand eines Sägewerkes in der Mangmühle. Der Einsatz dauerte ca. 5 Stunden und voller Stolz wird berichtet, wie gut die neue Saug- und Druckspritze funktioniert hatte.

Am 20. Februar 1884 brannte das Anwesen "Heim" in Hinterzwieselberg. Wegen großer Kälte und Wassermangel konnte zwar kein Einsatz erfolgen, aber es wird erwähnt, dass sich die Petroleumfackeln bei der Fahrt in stockfinsterer Nacht gut bewährt haben.

Am 28. Juni 1884 nahm die Wehr mit 55 Mann an der Fahnenweihe der Wehr in Füssen teil.

Nachdem der Zug von der Musik bis vor's Dorf begleitet wurde, fuhr man mit vier zweispännigen Fuhrwerken nach Füssen. Das Festessen soll damals 71 Kreuzer gekostet haben. Am 19. Oktober 1885 geriet wieder das Sägewerk "Merk" in der Mangmühle in Brand. Dieses wurde damals laut Bericht mit einer Dampfmaschine betrieben, die aber nicht in Betrieb war, da am vorhergehenden Tag Kirchweih war. Am 03. April 1886 beim Brand des Hofes von Franz Miller (Bichelbauer in Ussenburg) löschten das erste Mal die Wehren von Rieden und Roßhaupten gemeinsam. Nachdem sie die drei Brunnen oben leergepumpt hatten, kam auch noch die Feuerwehr der Stadt Füssen dazu. Dort wurde dann die erste Schlauchleitung über längere Wegstrecken mit Steigung verlegt, die sogar funktioniert haben soll.

Ein großes Fest mit Böllerschüssen und beflaggen der Häuser fand am 28. Oktober 1887 statt. Denn alle Männer die seit Bestehen der Wehr ununterbrochen, also 15 Jahre, Dienst getan hatten, erhielten ein Ehrendiplom. Da sich unter den Geehrten auch zwei Gastwirte befanden, wurden gemeinsam alle drei Wirtschaften besucht. 1889 stellte der damalige Vorstand Bux den Antrag, die Wehrmänner sollten sich doch gleichmäßige Uniformen beschaffen, worauf sich gleich 40 Männer bereit erklärten, dies zu tun. Es wurde zu dieser Zeit schon sehr umfangreiche und genaue Brandberichte erstellt. Diese waren vorgedrückt im Dienstbuch der Freiwilligen Feuerwehr. Alles was bei einem Brand vorkommen kann, wurde dort erfasst. Bis zum Jahre 1911 waren es elf Brandfälle, bei denen jeweils das ganze Haus mit landwirtschaftlichem Teil dem Feuer zum Opfer fiel. Vier Brände wurden durch Blitzschlag verursacht, acht mal wird von einem kalten Blitzstrahl berichtet, der zwar erheblichen Schaden verursachte, aber nicht entzündete.

Bei einem Brand des Hauses -heute Straub Jakob am Dorfplatz- am 09. Februar 1890 wurde berichtet, dass dabei insgesamt 540 Mann bei der Brandbekämpfung beteiligt waren. Fünf umliegende Nachbarwehren mit fünf Löschmaschinen waren beteiligt. Vom Dorfe waren sämtliche arbeitsfähigen Bewohner als Hilfeleistende tätig, deren Anzahl ist mit 130 eingerechnet. Noch im gleichen Jahr, 16. Juli,. brannte das Anwesen -heute Strobel in Egelmoosen- durch Blitzstrahl ganz ab. Eine erhebliche Brandgefahr war zu dieser Zeit der Umgang mit Sturm und Stallatemen. Zwei Höfe brannten dadurch ab. Eine der größten Fortschritte in der Wasserversorgung und der Sicherheit im Feuerlöschwesen stellte die im Jahre 1901 errichtete Hochdruckwasserleitung dar. Sie enthielt 28 Hydranten, so dass im Dorf für fast alle Häuser im Brandfall zwei bis drei Hydranten zur Verfügung standen. Die Kosten betrugen 50.000,-- Mark und der Bau wurde unter Aufsicht eines staatlichen Ingenieurs aus München durchgeführt, der den kleinsten Fehler rügte, heißt es im Bericht.

Der Bau dieser Wasserleitung war eine mutige, weit in die Zukunft reichende, große Leistung der Dorfgemeinschaft, die heute noch Bewunderung und Anerkennung verdient. Mehrere Teile dieser Einrichtung sind heute noch in Betrieb. Im Jahre 1907 war es nach längerem Drängen soweit, dass, wie es heißt, eine schöne hochgütige Feuerspritze zum Preis von 2.400,-- Goldmark von der Fa. Braun in Nümberg in Leistungsfähigkeit voll und ganz entsprechend angeschafft wurde. Weiter steht dort! Da unser Herr Bürgermeister an hohen Ausgaben sonst nie zu haben ist, hat er sich gerade in dieser nützlichen Sache sehr nobel gezeigt. Dieses schöne "Requisit" gereiche der Gemeinde zur Ehre und Zierde.

Am 17. Juni 1910 waren 80 Mann der Wehr bei der Hochwasserkatastrophe in Lechbruck fünf Stunden im Wasser stehend im Einsatz und retteten Hunderte von cbm Schneideholz. Der dortige Bürgermeister Fichtl sprach Ihnen dankbarste Anerkennung aus.

Bis zum Ende des 1. Weltkrieges wird von keinen größeren Ereignissen berichtet. 61 Mitglieder der Feuerwehr sind gefallen und 15 vermisst. Die 17jährigen mussten Feuerwehrdienst leisten.

Am 06. April 1922 wurde in würdiger Weise das 50jährige Jubiläum der Wehr begangen. Es gab damals noch neun Gründungsmitglieder.

Bis zum Jahre 1939 liegen nur kurze Berichte über die jeweiligen Inspektionen und ein Brandbericht über das Anwesen "Taufratshofer" am 22. Dezember 1931 vor. Bei einem Waldbrand im Tiefen Tal, wahrscheinlich am 04. April Jahreszahl fehlt, dürfte 1933 gewesen sein, wird vom erfolgreichen Einsatz einer Motorspritze berichtet. Es dürfte die Alemania sein, die bis 1962 ihren Zweck gut erfüllte.

Während des Krieges, 1939 bis zum Jahre 1949, liegen keine Berichte vor. Die Feuerwehr bestand aber immer. Es waren ältere Männer, Jugendliche und Frauen, die während des Krieges dazu bereit waren. Danach natürlich wieder die zurückgekehrten Soldaten. Im Oktober 1942 erfolgte die Genehmigung zum Umbau der oberen Käsküche zu einem Feuerwehrgerätehaus, der auch verwirklicht wurde. Nachdem jetzt 55 Jahre vergangen sind, liegt die Baugenehmigung für ein modernes Gerätehaus vor. Die große Frage ist nur der ZUSCHUß (wann und wieviel). Das Ende des Krieges verhalf uns zu drei kräftigen DKW-Motorspritzen, von denen heute noch eine in Sulzberg steht, bereit ihren Zweck zu erfüllen. Im Jahre 1949 war es wieder erlaubt, einen Verein zu bilden. Dies geschah unter Anton Hummel, der auch zum Vorstand gewählt wurde. Zum Kommandanten wurde Engelbert Wiedemann gewählt, der auch bereit war, diese Verantwortung zu tragen. Es war zu der Zeit nicht immer leicht für die Aufgaben in der Feuerwehr zu begeistern, sowurde auch bald die Feuerschutzabgabe eingeführt.

1951 wurde die Fahne neu überholt und erhielt somit wieder ein würdiges Aussehen. Im Jahr 1960 erhielten wir die erste neue moderne TS 8, dieser folgte 1962 dann die zweite. 1964 war es dann soweit, daß wir das erste Löschfahrzeug, ein Bachert LF 8, in Empfang nehmen konnten, was unsere Einsatzkraft, aber auch unsere Begeisterung für den Dienst am Nächsten erheblich steigerte. Ein weiteres, schon wieder wesentlich besseres und kräftigeres LF 8, das mit einer Funkeinrichtung ausgerüstet ist, die heute gar nicht mehr wegzu- denken ist, verstärkte 1974 unsere Ausrüstung. Unterstützt durch eine gute Ausbildung, zu der sehr viel die Ablegung der Leistungsprüfungen beitrug, an der fast alle Wehrmänner, vom bronzenen bis zum goldenen teilnahmen, konnten wir immer alle Aufgaben, die es zu erfüllen gab, sehr gut meistem. Neben den anderen vielen Not- und Brandfällen standen in unserer Gemeinde in den letzten 50 Jahren acht Höfe im landwirtschaftlichen Teil voll in Brand. Nur zweimal konnte das Wohnhaus nicht gerettet werden.

Mögen diese Erfolge dazu beitragen, daß auch weiterhin über die hinter uns liegenden 125 Jahre hinaus, genug Menschen bereit sind zu lernen, wie man helfen kann! Um dann die Freude zu empfangen, in der Not des Nächsten geholfen zu haben. Nur so können wir unseren Wahlspruch erfüllen.

"Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr".